Elizabeth Main: Die englische Pionierin im Engadin

Von Bergbesteigungen, über Schlittschuhlaufen mit Giovanni Segantini und Gletscherwanderungen – Elizabeth Mains photographischer Nachlass zeigt die verschiedenen Facetten der englischen Lady.
vonKulturarchiv Oberengadin

Elizabeth Main schrieb Geschichte – unter anderem auch im Engadin. Die englische Fotografin, Schriftstellerin und Bergsteigerin (1861 - 1934) führte Erstbesteigungen durch – darunter die Wintererstbesteigung des Piz Palüs – brachte Frauenseilschaften auf die höchsten Berggipfel und half während des Ersten Weltkrieges als Krankenschwester in Frankreich. Sie war eine mutige, selbstbewusste und unkomplizierte englische Lady, die keine Herausforderung scheute. Aber nicht überall kamen ihre Aktivitäten gut an: Die einheimischen Bergsteigerkollegen mochten es nicht, dass eine Frau in eine Männderdomäne eindrang. Ihnen war auch suspekt, dass das «spindeldürre Weib», wie sie genannt wurde, ganze drei Männer ehelichte.

Seilschaft am Piz Corvatsch mit Blick auf Piz Bernina und Piz Roseg

Elizabeth Main war nicht nur begeisterte Alpinistin, sondern auch begabte Fotografin. Insgesamt 400 Fotografien zeigen das Leben von Elizabeth Main im Engadin. Die Sammlung stammt aus dem Büro des Badrutt’s Palace in St.Moritz. Andrea Badrutt, ehemaliger Direktor und Inhaber des Hotels, liess die Sammlung dem Kulturarchiv Oberengadin als Schenkung zukommen. Auf erzählerische Art hielt Main unter anderem die Engadiner Landschaft, die Belle-Epoque-Leute und spektakuläre Gletscherwanderungen fest – und eine Begegnung mit Giovanni Segantini auf dem Silsersee:

Im Winter 1897-1898 holte Elizabeth Main den Maler in Soglio ab und lud ihn zu einer Schwarzeis-Rundfahrt auf dem Silsersee ein. Segantini zog es vor, sich nicht auf Schlittschuhen aufs Eis zu wagen, sondern sich von einer Equipe gut trainierter, junger Engländer auf einem Kanadier-Schlitten über das Eis ziehen zu lassen. So konnte er den geheimnisvollen Seegrund unter der Eisfläche besser bewundern.

Giovanni Segantini posiert auf dem Silsersee

In ihrer Biografie «Day in and Day Out» beschreibt Elisabeth Main diesen Tag folgendermassen:

«We persuaded Segantini to return with us to the Engadine for a couple of days, for the Lake of Sils was at the moment in all its glory of transparent ice, reflecting deep blue sky, and I knew how its beauty would appeal to him. He was already enthusiastic as we slipped in our gliding sledges past its dark surface the next evening, and later on, I enrolled a team of hefty skaters who dragged Segantini on a flat-bottomed Canadian toboggan over the shining surface of the frozen lake so that he might gaze down and see the wonders of submerges lake dwellings and the depths blue-black against the vertical cliffs of the promontory. Fortunately, the weather was perfection. The sun blazed down from a cloudless sky. The artist, reclining on a heap of cushions and rugs, kept calling his team to halt and let him look through the clear surface…»

Etliche Bilder von Elizabeth Main, darunter auch die Fotografien von Giovanni Segantini, kamen 1994 ins Kulturarchiv Oberengadin nach Samedan. Die Bilder sind Zeugnisse einer unberührten Oberengadiner Landschaft, der neu entdeckten Alpenwelt und der frühen Wintersportarten.

Ohne Schlittschuhe dafür mit Schlitten: Giovanni Segantini auf dem Silsersee, 1898
Elisabeth Main auf dem Silsersee, um 1898
Blick in die Tiefen einer Gletscherspalte auf dem Fornogletscher
Sonnenschutz war bereits im 19. Jahrhundert wichtig
Vorsichtiger Blick in eine Gletscherspalte nahe des Sellapasses
Winterporträt auf dem Morteratschgletscher
Auf dem Abstieg vom Piz Bernina ist Trittsicherheit oberstes Gebot
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