Sehnsucht im Grossformat

Ein gutes Plakat erklärt nicht viel. Es muss seinen Zweck in wenigen Augenblicken erfüllen: auffallen, eine Idee vermitteln und im Gedächtnis bleiben. St. Moritz machte sich diese Kraft schon früh zunutze und entwickelte eine Bildsprache, die den Ort über Jahrzehnte prägte. Wie bedeutend diese Form der Kommunikation für die Schweizer Grafikgeschichte war, zeigt derzeit eine Ausstellung in der Villa Bührle in Zürich.
Die Ausstellung führt durch drei grosse Kapitel der Schweizer Plakatgeschichte: Tourismus, Konsumgüter und Kultur. Emil Cardinaux’ monumentales «Zermatt» von 1908 begegnet dort Walter Herdegs St. Moritzer Winterwelt von 1937. Dazwischen liegen Cuno Amiets Einladung ins Bahnhofbuffet Basel, Herbert Leupins Pepita-Papagei, ein historisches Sprüngli-Motiv und Kulturplakate aus jüngerer Zeit. Berge, Züge, Mineralwasser, Schokolade und Konzerte werden jeweils auf eine einzige starke visuelle Idee verdichtet.
St. Moritz nimmt in dieser Geschichte einen besonderen Platz ein. Von 1932 bis 1938 arbeitete Walter Herdeg fast ausschliesslich für den Kur- und Verkehrsverein St. Moritz. Er gestaltete nicht nur Plakate für den Ort: Um 1932 entstanden in seinem Atelier auch die Sonne und der charakteristische Schriftzug, die bis heute verwendet werden und als ältestes noch verwendetes touristisches Markenzeichen der Welt gelten.
Herdeg kombinierte Fotografie, Grafik und Typografie zu einer damals neuen Bildsprache. Seine Plakate zeigten St. Moritz als Ort des Lichts, des Sports und einer selbstverständlichen Eleganz. Das galt keineswegs nur für den Winter: In seinem Sommerplakat von 1934 verdichtete er mit einer Turmspringerin Licht, Luft, Wasser und Bewegung zu einer modernen Vorstellung des alpinen Lebens. Seine Arbeiten warben damit nicht einfach für eine Saison, sondern vermittelten ein Lebensgefühl und gaben dem Ort früh ein unverwechselbares visuelles Erscheinungsbild.
Die Zürcher Ausstellung betrachtet das Plakat nicht bloss als nostalgisches Sammlerstück. Kurzfilme zur Schweizer Plakatkunst und zur Restaurierung historischer Originale machen auch das Handwerk hinter den Bildern sichtbar. Jüngere Kulturplakate zeigen zugleich, wie sich diese Tradition weiterentwickelt.
Vielleicht liegt gerade darin die anhaltende Wirkung der besten Plakate: Sie versuchen nicht, alles zu zeigen. Sie lassen genug weg, damit die Vorstellungskraft den Rest übernimmt.
Ausgewählte historische St.-Moritz-Motive sind als Poster und Kunstdrucke im St. Moritz Online Shop erhältlich.
«Highlights der Schweizer Plakatkunst»
18. September bis 18. Oktober 2026
Villa Bührle, Zollikerstrasse 172, Zürich
Eintritt frei
vipart.ch












