Auf ins Abenteuer
Alistair MacQueen ist Autor, Redaktor und Kommunikationsberater mit Sitz in London. Ein Motorrad hat er zwar noch nie gefahren, aber er ist an einem wunderschönen Sommermorgen mit dem Fahrrad durch den Wald von St. Moritz Bad zum Lej da Staz geradelt, um dort das Festival da Jazz zu erleben.
Man könnte sagen, die atemberaubenden Kurven, Strassen und Pässe rund um St. Moritz sind nicht nur Wege, auf denen man sich verirren kann, sondern Reisen, in denen man sich selbst findet. Vom Aufstieg über den 2’280 Meter hohen Julierpass bis zu den Serpentinen des Malojapasses – und nicht zu vergessen dem Albula- und dem Berninapass – bietet jeder Abschnitt dieser Alpenwelt Ausblicke von überwältigender, beinahe überirdischer Schönheit. Autoreisen auf den berühmten Kehren sind bestens dokumentiert, jene auf zwei Rädern dagegen weit weniger. Nicht so im September: Dann nämlich zieht erneut ein Tross von Motorrädern, klassisch wie modern, ins Engadin – zur «Great Malle Mountain Rally», die die Herzen höherschlagen und die Gläser klingen lässt.
Die Fahrt, die von Innsbruck in Österreich über die Alpen nach Monaco führt und bei der Flaschen voller prickelndem Schaumwein statt dröhnender Auspuffrohre zum Einsatz kommen, wurde erstmals 2022 ausgetragen. Es handelt sich weniger um einen Wettkampf als vielmehr um ein Zusammentreffen von Enthusiasten und Abenteurern, die sich für den Nervenkitzel und die Kameradschaft der internationalen Teilnehmenden sowie die raschen Wechsel von Landschaft und Etappe anmelden. Die 1’600 Meilen lange Strecke wird in sechs Tagen zurückgelegt. Es gibt Zeitprüfungen, bei denen Punkte an jene vergeben werden, die unterwegs nicht allzu oft den Seitenständer ausklappen, um sich endlosen Espressi und Nusstorten hinzugeben. Ein Vorauskommando aus Ingenieuren, Mechanikern und Küchencrews eilt den Fahrern jeweils voraus und stellt sicher, dass am Ende jedes Tages alles bereitsteht: gefüllte Gläser, lokale Spezialitäten von Privatköchen und komfortable Betten in luxuriösen Unterkünften – vom Schloss bis zum Glamping-Zelt hoch oben am Berg.
Es ist genau die Art von Anlass, die die Marke Malle verkörpert. Sie ist bekannt für ihr edles Reisegepäck, ihre lässige Kleidung und ihre stilvollen Accessoires, die allesamt aus robusten Materialien gefertigt sind und mit jeder Naht Beständigkeit und Klasse ausstrahlen. Gegründet 2013 von den Cousins Robert Nightingale und Jonny Cazzola, teilt die Marke ihren Abenteuer- und Entdeckergeist mit St. Moritz, wie Nightingale erzählt.
«Wir holen hundert Leute aus aller Welt zusammen, die zwei Dinge verbindet: ihre Leidenschaft für Motorräder und für Abenteuer. Dann stellen wir sie vor die Herausforderung, die Schweiz und die Alpen zu durchqueren. Die Alpen sind ja selbst lebendig: Sie bewegen sich, es gibt Erdrutsche und das Wetter kann sich schlagartig ändern. Manche Jahre sind komplett trocken, aber letztes Jahr hatten wir Schnee – und das war richtig wild.»
Die Teilnehmenden sind ganz unterschiedlich erfahren – von Anfängern bis hin zu Routiniers. Die Routen sind sorgfältig ausgearbeitet und jeden Morgen findet ein Briefing statt. Trotzdem, so Nightingale, verfahren sich manche erstaunlich leicht: Ein falscher Abzweiger im Kreisel und schon landet man in Liechtenstein oder Italien. Damit es unterwegs nicht zu dicht wird, starten die Fahrerinnen und Fahrer jeweils in Gruppen von fünf. «Sie fahren durch winzige Schweizer Bergdörfer. Da wollen wir nicht alles mit Motorrädern verstopfen. Uns ist wichtig, dass etwas Positives zurückbleibt. Kleine Gruppen bedeuten auch, dass die Fahrer besser aufeinander achten können, wenn sie unterwegs sind.»
Nightingale betont jedoch, dass die Rallye mehr ist als nur ein aussergewöhnliches Erlebnis: Sie bietet den Teilnehmenden auch die Möglichkeit, wirklich Abstand vom Alltag zu gewinnen. «Wir sind alle aus unterschiedlichen Gründen dabei, aber für viele geht es vor allem auch um die mentale Gesundheit. Wenn du auf dem Motorrad sitzt, kannst du nicht telefonieren, keine Mails schreiben und auch nicht arbeiten. Du trägst acht bis zehn Stunden am Tag einen Helm. Das gibt dir Zeit, um nachzudenken, zu träumen und Dinge zu verarbeiten. Genau deshalb kommen manche jedes Jahr wieder. Wir geben ihnen diesen mentalen Freiraum und zugleich die Möglichkeit, etwas ganz anderes zu erleben.»
Die Rallye führt am 16. September durch St. Moritz. Das Dorf dient dabei als Kontrollpunkt auf dem Weg nach Italien und bietet den Fahrerinnen und Fahrern eine ganz neue Sicht auf die Region. «Viele unserer Gäste haben St. Moritz noch nie so lebendig, grün und üppig erlebt», sagt Nightingale. «Vielleicht kennen sie die Gegend vom Skifahren, aber nicht im Spätsommer, wenn man entlang des St. Moritzersees und des Silvaplanersees fährt und überall Boote und Windsurfer sieht.»
St. Moritz blickt auf eine lange Geschichte aufregender, motorgetriebener Events zurück. Doch was genau macht diese Etappe der Rallye für Nightingale so besonders? «Wenn du durch die ursprünglichen Bauernhöfe und Dörfer wie St. Moritz fährst, ist das einfach wunderschön. Und dazu gibt es hier zwei meiner Lieblingscafés: Eines liegt gleich oben auf dem Malojapass und ist gleichzeitig eine der letzten Stationen des Tages. Wenn dann gegen halb acht, acht Uhr abends die Sonne untergeht, taucht ein orangegoldenes Licht das Tal in diese magische Stunde … das ist schlicht atemberaubend.»
















